Dienstag, 26. Januar 2016

Unterirdische Nähanleitungen und die Sache mit der Tasche

Geht es euch manches Mal auch so? Ihr lest in einem Schnittmusterheft eine Nähbeschreibung und denkt permanent "hä? hä? hä?". Also ich hab dieses Phänomen oft, gerade in Zeitschriften, aber auch bei einigen Schnittmusterherstellern. Ich hatte schon vermutet, dass durch die vielen bunten Trage-bilder der Schneiderstücke kein Platz mehr für ordentlich viel Buchstaben ist und für Zeichnungen schon gar nicht. Also muss man sich eben durchkämpfen und die Worte des Schreiberlings irgendwie versuchen, zu deuten. Das ist nicht immer von Erfolg gekrönt.

Aktuell bin ich beim Sew-Along von BuxSen dabei. Aus der Ottobre 05/15 hab ich mir unter anderem den Kapuzenpulli ausgesucht, ohne wirklich darauf zu achten, was mich bei den Taschen erwartet. Kurz vor Beginn hab ich mir die Anleitung mal durchgelesen und bei der Tasche wird auf die Beschreibung der Tasche des Mantels verwiesen. Also dort hin geblättert, durchgelesen und gelesen und gelesen und festgestellt, dass man mit dieser Anleitung im Leben nicht zu einem schönen und richtigen Ergebnis kommt. Ich finde, es fehlen nicht nur die Bilder, sondern auch ein paar Worte der Erklärung.

Naja, da ich kein "Dieflinteinskornwerfer" bin, hab ich mich an Reststoffstücke begeben und den Versuch gemacht, anhand der Anleitung die Tasche zu nähen. Hier zeige ich euch mal meine Schritte, so wie ich die Anleitung verstanden habe und mein Ergebnis. Befriedigend finde ich das nicht und ich werde vermutlich ganz einfach Eingriffstaschen in die Seitennaht machen. Vielleicht kann aber der ein oder andere Leser einen Kommentar dazu abgeben, wo ich etwas falsch umgesetzt habe und was ich besser machen kann. Es ist wie gesagt ein Versuch gewesen, daher hab ich nicht 100% ordentlich genäht :)

Zuschneiden von Tasche und markieren der Position auf Vorderteil

Anfang und Ende mit Nadel markieren

Vorderteil umdrehen und über die Markierungen mittig ein Stück Vlieseline (ich habe H250 genommen) oder Formband aufbügeln zur Stabilisierung

Formband/Vlieseline auf die Rückseite des Tascheneingriffes bügeln und auch die Tasche re auf re zusammengeklappt bügeln (so kann man später besser die Eingriffsposition bestimmen mit der Schablone)

Schablone aus Taschenschnittteil ausschneiden und ich habe mir dann die Striche der Schablone auf die Rückseite des Taschenbeutels entsprechend markiert.

Hier die fertige Merkierung, die Mitte Anfang und Ende mit einer Nadel markiert für die Positionierung auf dem VT (hier ist noch die vorgesehene runde Version zu sehen, letztlich und nach dem 3. Versuch habe ich mich für eine eckige Version entschieden, da sich das bei weitem besser nähen lässt und am Ende besser ausgearbeitet werden kann.

Nun den Taschenbeutel positionieren auf der Markierung am Vorderteil (seht ihr, hierfür taugen die zuvor eingesteckten Nadeln ganz gut ;-)). Dabei zeigt die Rundung nach unten, also Richtung Bund.

Taschenbeutel feststecken, dass er nicht verrutscht. Nochmals prüfen, ob der Beutel auch richtig herum gesteckt wurde (Die "Niere" mit der Kerbe nach unten also Richtung Bund VT).

Hier also nochmal meine eckige Version. Die Mittelline einzuzeichnen hab ich mir gespart, 

genähtes Rechteck von hinten, also Sicht auf Rückseite VT

Danach habe ich mir die Positionen mit Nadeln gesteckt, bis wohin der Eingriff aufgeschnitten wird (mittig). Ich setze immer an mit einer Schere und dann nehme ich den Nahttrenner und kann so bis zu den Nadeln durchratschen, ohne dass am Ende ich zu weit bin (die Nadeln stoppen Schere oder Nahttrenner!)


Noch die Ecken schräg einschneiden und dann sollte das Ganze so aussehen.

Taschenbeutel nach innen klappen.

Untersteppnaht rechts und links, d.h. man klappt die NZ der Rückseite in Richtung der gegenüberliegenden Seite, also Richtung später offenen Eingriff .

So sieht das auf der Rückseite aus.

Nun näht man im Geradestich einmal von Oberseite Tascheneingriff bis zur Unterseite.

Und das auf beiden Seiten des späteren Eingriffes.

Ansicht Rückseite nach dem Nähen.

Danach den Taschenbeutel re auf re zunähen (ich mache das mit der Overlock, hab hier nur schnell die Nähmaschine benutzt)

Nun das VT umdrehen und alles bügeln und am Ende noch die Riegel oben und unten an der Tasche nähen. Ich habe hier einen Versuch mit einem Geradestich gemacht (links) und auch einen mit Raupe. Sieht aber beides für mein Empfinden nicht schön aus.

So würde das von links aussehen, keine Ahnung, ob das so sein muss.
So ihr Lieben, das war die meinige Interpretation der Eingrifftasche aus der Ottobre 05/15. Vielleicht hat der ein oder andere von euch das schon bei weitem besser hinbekommen als ich. Mit dem Ergebnis bin ich mehr als unzufrieden, vor allem mit den Sicherungsnähten oben und unten. Das sieht nicht schön aus. Und auch die Untersteppnaht, naja, finde ich nicht so dolle. Bei der Tasche, die in die Jacke gehört ist es leider so, dass die der Stabilisierung nicht ganz so bedarf, denn die "hängt" ja später nach unten. Die Tasche des Hoodie geht ja schräg nach vorne und so kann es ohne ordentliche Stabilisierung am Ende unschön aussehen, daher sind hier die angegebenen Schritte sicher mehr notwendig als beim Mantel.

Bitte kommentiert doch, wo hier evtl. meine Fehler liegen, vielleicht kann ich es dann nochmal versuchen, besser machen und die Tasche bekommt doch noch eine Chance in meinem Hoodie.

Hier nochmal von einem der Versuche ein Endergebnis:



Dieser Beitrag geht jetzt noch zu BuxSen zum Teil 2-Beitrag des Sew Along.

Kommentare:

  1. Ja, das Thema mit der Tasche und der Beschreibung :) Das hat mich auch Nerven gekostet!!! Im Endeffekt habe ich so gemacht wie ich es mit meiner Logik verstanden hab und auch wie Du es hier beschrieben hast ... nur keine Untersteppnaht ... schau mal auf meinen Blog da hab ich in den Kommentaren noch geschrieben wie ich vorgegangen bin - ich bin mir aber nicht sicher ob ich klarer bin wie die Zeitschrift ...:(

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    1. Lieben Dank für deine schnelle Antwort :)

      Ja, ich denke, der Weg von mir war der richtige, aber wenn man mit etwas nicht so warm wird, wird es eben auch kacke gel. Und so bin ich immer noch unzufrieden, mache vielleicht doch noch einen letzten Versuch, vielleicht auch nur wie bei dem RV der Schnabelina-Bag und steppe nicht das Rechteck, sondern lasse die kurzen Seiten ungesteppt. Dann brauche ich aber dringend die Sicherungsnaht aussen nach dem dämpfen. Mal sehen. Vielleicht wird es ja doch noch was mit der Tasche. Deine am Mantel sieht schon mal toll aus, sehr sauber und dass du die untere (vordere hängende) Untersteppnaht nicht gemacht hast, hab ich gesehen und finde ich auch schöner als wenn du sie gemacht hättest. Das werde ich mir auch noch überlegen, ob das nicht vielleicht besser aussieht.

      LG Katrin

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  2. Also ich würde Deine Lösung auch als die richtige, von ottobre gedachte Herangehensweise ansehen. Dass Du damit nicht zufrieden bist verstehe ich voll. Du könntest Dir entweder eine aufgenähte Känguruhtasche selbst entwerfen oder Teilungsnähte einfügen ala Arja von Näähglück (http://kaa.kuemmling.eu/product_info.php?info=p61_ebook-arja---damenjacke-groesse-32---58.html). Runde Taschenbeutel in der Seitennaht wie bei Twig wären auch noch eine Lösung.
    LG
    Martina

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    1. Danke Martina, dann bin ich wohl vielleicht etwas umständlich, aber doch nicht zu blöd, eine Anleitung zu lesen, denn das dachte ich schon :)

      Nein, eine Kängerutasche mag ich nicht so gerne, sieht immer irgendwie aus wie schwanger, Kängeru eben. Ich muss mal schauen, wie gesagt, vielleicht unternehme ich noch einen letzten Versuch oder lasse die Taschen ganz weg. Ist ja ein Pullover zu einer Sporthose und beim Sport hab ich die Hände "eh net im Sack" :)

      LG Katrin

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  3. Die Taschen sind echt ein Knackpunkt in der Anleitung! Ich glaube ich lasse die einfach weg:-)
    Liebe Grüße,
    Jenny

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    1. Ja Jenny, hatte ich auch schon überlegt oder eben welche in die Seitennaht.

      LG Katrin

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  4. Ich hätte das vermutlich ohne Anleitung versucht . Finde Dein Ergebnis gar nicht so verkehrt , schaut wirklich gut ;)
    LG heidi

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    1. Danke Heidi, vermutlich sind aber nur die Bilder gut gemacht ;-) In der Realität bin ich mehr als unzufrieden mit der Optik, gerade mit den Sicherungsraupen und auch teilweise mit der Untersteppnaht.

      LG Katrin

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  5. Hallo liebe Katrin, super das du dir die Mühe gemacht hast das Problem Schritt für Schritt Abzubilden. Ich verstehe die Anleitung oft auch nicht ;-) Mir scheint du hast schon das Maximum herausgeholt.
    Oft lohnt es sich die Fotos der Schnitte sehr kritisch zu studieren. Oft zeigt sich auf den Bildern schon wo es später haken wird.
    Liebe Grüße und totzdem fröhliche Nähen!!! Tutti

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    1. Ja Tutti, Bilder wären in der Tat schön gewesen, aber das bekommt die Ottobre nur schwer hin. Danke dennoch für dein Lob :)

      LG Katrin

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  6. der fehler liegt darin dass hier etwas akkurat viereckiges in labbrigen jersey genäht werden soll! das kann nicht funktionieren! deswegen haben ja gekaufte kapuzis diese runden, aufgesetzten taschen....
    in knackiger popeline oder festem wolltuch sieht diese taschenform - mit etwas übung - möglicherweise sogar richtig gut aus :-)
    xxx

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    1. Danke Beate für deinen Kommentar.

      Nun ist es leider so, dass ursprünglich sogar die Runde Form oben und unten vorgesehen war und ich es schon eckig gemacht habe, weil Rund noch bescheidener Aussah. Jersey ist das auch nicht, sondern Sweat, insofern labbert nix. Aufgesetzte Taschen machen dick und ich mag das überhaupt nicht, möglichst noch mit sichtbaren Covernähten abgesetzt, dann sieht das aus wie eine Kinderklamotte. Nee, das wäre nicht meins. Ich möchte ja gerne auch den Stoff verwenden, den ich für Kapuze etc. nehme, insofern ist Popeline nur bedingt in meinem Fall eine Alternative. Ich glaube, wenn du Popeline o.ä. hier verwendest, bleibt die Problematik, da du dann einen dehnbaren Stoff (Vorderteil = Sweat) und einen nicht dehnbaren Stoff (Taschenbeutel) miteinander vernähst. Ich hatte das bei einer Jacke gemacht und war der Verzweiflung nahe :) da verrutscht ständig alles. Ich mache noch einen letzten Versuch und schaue, sonst bleiben die Taschen weg oder kommen wie schon gesagt in die Seitennaht.

      LG Katrin

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    2. du hast mich nicht verstanden - aber macht nix - übrigens ist sweat trotzdem jersey - eben nur dick und innen mit loops. :-)

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    3. Tut mir leid Beate, dass ich dich nicht korrekt verstanden hatte. Du hast im Grunde Recht, Jersey und Sweat sind wie Menschen und Affen artverwandt. Doch durch die Schlingenbildung bzw. angeraute Futterseite beim Sweat hat der einfach mehr Stabilität als z.B. Singlejersey und das wollte ich zum Ausdruck bringen mit meiner Aussage, dass beim Sweat nix labbert. Ich habe hier für das Projekt einen Sweat mit wenig Elasthan, der ist bombenfest. Hab nun die Taschen endgültig gemacht, Lederpatches in die Ecken und sogar beim Nähen vergessen, das Vlies unter den Eingriff zu bügeln und es ist bombenfest. Dennoch bin ich noch am Wanken, ob die Taschen was sind oder nicht.

      LG Katrin

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