Samstag, 26. Dezember 2015

Eine Herzensangelegenheit

Ja, das ist es tatsächlich. Für mich ist Helfen immer eine Herzensangelegenheit und ich mache hier nie Unterschiede, ob es Hilfe für dies oder das ist. Was ich grundsätzlich nicht mache, ist über die Grenzen hinweg helfen. Das ist mir einfach nicht greifbar genug und ich bin der Meinung, wir haben hier im Land genügend eigene Projekte, die Hilfe bedürfen und nur weil wir keine Kinder mit Hungerbäuchen haben, sind diese Hilfsprojekte nicht weniger wichtig. Daher versuche ich immer, Projekte zu finden, die greifbar und in Deutschland sind.

So hab ich beispielsweise hier schon mal ein paar Klinikmützen genäht und verschickt. Madita hatte diese Aktion mal ins Leben gerufen und hilft damit krebskranken Kindern, die durch bunte Mützen einen etwas farbigeren Tag in der Klinik haben.

Im November dann bin ich auf die Seite von Roja gestoßen www.lybstes.de  und sah dort die Aktion "Willkommenset für Flüchtlingsbabys".


Ich fand es toll, dass sie sich für die Menschen einsetzt, die oft nur Ablehnung hier in Deutschland erfahren und die Schelte abbekommen, die eigentlich der Politik um die Ohren gehauen gehört. Aber so ist es ja leider oft bei uns. Alle müssen spüren, was ganz weit oben verbockt wird. Ich habe dann meine Nähmädels gefragt, ob sie sich an der Aktion beteiligen und auch Sets nähen. Es sind ja nur Sets in Gr. 56 und so ein wunderbares Stoffrestever-brauchsereignis. Und jeder hat sicher Stoff zu Hause übrig, auch ich. Also begannen wir, Sets zu nähen und nach dem einsammeln hab ich alle fotografiert, verpackt und das Paket für Ronja geschnürt. Ich weiß, dass die Sets direkt an der Basis ankommen, denn Ronja verteilt diese Sets an eine Hebamme in Lübeck. Von dort werden sie direkt an entbindende Flüchtlingsfrauen weiterge-geben, ohne den Umweg über eine Kleiderkammer oder ähnliches. Das finde ich klasse, so geht das Ganze nicht unter in der Vielzahl von Kleiderspenden. Und vielleicht machen ein paar farbenfrohe und liebevoll genähte Sets den Frauen ein klein wenig den Alltag bunter und freudiger.




Da wir hier ja alle unsere Kinder im Waldorfkindergarten in Lautenbach haben, ist ein Teil des Projektes auch ein Upcycling Projekt geworden, denn Annette hat ein paar Sets aus einem gut gehüteten Pullover aus Nicky hergestellt. Und wir Lautenbacher Nähdamen haben uns ja dieser Sache auch voll und ganz verschrieben und nähen schon seit einiger Zeit Kinderkleidung aus nicht mehr benötigten Kleidungsstücken wie Jacken, Hosen, Hemden usw.


Für alle, die noch Lust haben, auch einen Teil zu Ronjas Projekt beizutragen, hier nochmal der Link zum Projekt und dem Schnittmuster für das Set:

Donnerstag, 24. Dezember 2015

Lynn und die stets schwierige Frage der Größe

Ja genau, mir geht es oft so, dass ich mich bei gekauften Schnittmustern frage "welche Größe nähe ich nur". Naja, vielleicht hab ich ja auch eine besonders blöde Figur, oben zu breit und unten zu schmal. Aber eigentlich eher nicht, denn im Grunde hat keine einzige, oder vielleicht ganz, ganz wenige, Frauen auf dieser Welt die perfekte Figur, die genau in die Maßtabellen der Hersteller passt.

Also wichtel ich jedes Mal wegen der Größe. Tagelang, nachdem ich ein passendes Schnittmuster im Netz erspäht habe, wühle ich mich durch Blogposts und lese diese aufmerksam, stelle seltsame Passformfragen in meinen Kommentaren und hoffe immer auf DIE Antwort. Bei Lynn war das ganz schwierig. Der Pullover mit der weit überlappenden Kapuze gefiel mir sofort. Ursprünglich wollte ich ja den Hoodie Louis von Kibadoo, den ich für meine Tochter gekauft hatte, in Gr. 170 nähen. Doch das Risiko, dass es eben eine Kindergröße ist, die mir nicht ganz perfekt passt, war mir dann doch zu groß. Und so kam Lynn eben gerade zur richtigen Zeit in den Shop von pattydoo.


Ich hatte ja bereits den Riley von pattydoo X-Mal genäht, ich glaube so an die 10 Mal. Ich finde den nach wie vor richtig toll, passt perfekt und irgendwie universell, denn wem auch immer ich diesen Hoodie genäht hatte, hat in MEINE Größe gepasst. So mag ich es! Und nun die Lynn, die hat mir richtig Kopfweh verursacht. Ich hab den Riley aufgelegt und irgendwie war die Lynn riesig dagegen. Beim Riley hatte ich eine 42 damals genäht und er sitzt, wie ein Hoodie sitzen muss, lässig und bequem, nicht körperbetont. Doch Lynn in 42 kam mir vor wie ein Sack. Also nachgemessen, Busen, Bauch, Po und festgestellt, eine 44 muss es sein. Hä? Ich eine 44. Ich hätte am liebsten direkt eine fette Tafel Schokolade aus Frust gegessen, denn ich will keine Gr. 44 im Schrank haben, schnief. 


Also nochmal gemessen und gemessen und ach was erzähl ich hier, es wurde nicht weniger. Also kurz die Erfinderin der Lynn angemailt und nachgefragt. Aber auch die Antwort war nicht wirklich erbaulich. Naja, was macht eine Hobbyschneiderin denn dann? Richtig, man kramt einen vermeintlichen Probestoff aus dem Stofflager, von ganz weit unten, einer, den man im Grunde nie wirklich tragen wollte, aber damals unbedingt haben musste. Bei mir war das ein quietscherosa-farbener Sweat, den ich irgendwann mal von einer anderen Hobbynäherin im Kaufwahn erworben hatte. Der roch damals ganz fürchterlich modrig, wurde sicher im Dachboden oder Keller gelagert. Doch nun sollte er seine Chance bekommen und was soll ich sagen, ich liebe meinen neuen Pulli, die Lynn, in quiekepink......


Als Kombistoff musste ein Stoff vom Holländer Stoffmarkt herhalten, der einen Druckfehler hatte und mir dann quasi fast für Umme zugeworfen wurde. Jetzt wo meine Lynn fertig ist, kann ich sagen, dass mir eine 38 passt und das perfekt! Nun kann ich in Produktion gehen :) mit meiner Lynn und nochmal eine nähen, mit einem Lieblingsstoff.


Ich bin nun ehrlich froh, dass ich in eine 38 passe und auch meine Probe-Lynn richtig tragbar ist. Auch wenn ich nun leuchte, wie eine Neonröhre, werde ich diese Lynn sicher das ein oder andere Mal außerhalb meiner Mauern tragen.




 Mit dieser Geschichte und meiner Lynn düse ich jetzt zu RUMS.